Blockchain Expo in London

Blockchain Expo in London


Push & Pull beim Blockchain-Absturz? Banken können ermüden, doch Versicherungen werden motiviert

Fortschrittsberichte zu Blockchain-Projekten im Banken- und Versicherungssektor boten auf der am Donnerstag einen aufschlussreichen Vergleich.
Während die Bankiers unzufrieden wirkten, herrschte im Department Versicherungen hingegen hochmotivierte Stimmung.

Bis zum Maximum: mehr Kritik bedeutet Entwicklung

In der Tat wurde der Nutzen für das Banking während eines Panels thematisiert, welches das Potenzial der Blockchain für Finanzdienstleistungen untersuchte. Dort begann auch Claudia Coppenolle, Leiterin des Digitalen Marktmanagements der Deutschen Bank, ihrer Überzeugung, dass der Hype-Zyklus des Blockchain-Modells in Bezug auf Geschäftsanwendungen erst nach seinem eigentlichen Peak stattfindet, Nachruck zu verleihen: „Es steuert alles stark in Richtung des Lieferantenbereichs. Die Mehrheit fokussiert sich lediglich auf das MVP, [minimales lebensfähiges Produkt], und will mit dem geringsten Aufwand nur das Nötigste Feedback bekommen,“ so die Managerin. „Aber wir müssen noch viel mehr lernen und uns weiterentwickeln. Wir können nicht einfach ein Produkt herausbringen und hoffen, dass es funktioniert. Es wird nicht funktionieren.“

Mut zur Lücke – Innovationskraft ebnet den Zukunftsweg

Wie schon im Bankwesen liegt auch hier die Risikobereitschaft in der DNA der Versicherungsunternehmen, aber eine Nachmittagssitzung mit Leuten wie der Allianz und Start-ups wie Etherisc hat gezeigt, dass die Versicherungsbranche hingegen nicht an Innovationsfreude leidet. Ethersenc-Mitbegründer Christoph Mussenbrock sah wohl eher in eine dezentralisierte Zukunft, als seine Bankkollegen und versicherte, sein Startup habe ein Live-Produkt, bei dem die Versicherungsauszahlung durch Daten an die Ethereum-Blockchain ausgelöst wird – in diesem Fall Aufzeichnungen von ankommenden sowie startenden Flügen. Sollte hier ein Flug verspätet sein, wird jedem, der eine Risikoversicherung vor dem Kauf des Tickets abgeschlossen hat, der Betrag automatisch erstattet.
Mussenbrock berichtete den Teilnehmern weiter:
„Wir glauben, dass mit dem innovativen Blockchain-Schema nicht nur eine bessere Datenbank möglich ist, sondern auch eine dezentrale Wirtschaft realisiert werden kann. Wir sehen eine Verlagerung der Kontrolle auf den Kunden; das klassische Versicherungsmodell, das die Firma vorgibt, hat die ganze Macht.“
Anderswo gab es Anzeichen dafür, dass etablierte Unternehmen solchen kreativen Ansätzen offen gegenüber stehen.

Branchenübergreifende Blockchain soll keine Seltenheit mehr sein

Oliver Volk, der Blockchain-Experte der Allianz-Rückversicherung, sprach im Namen des B3i-Versicherungskonsortiums, welches nach der ersten Ausgabe eines Prototyps für das Vertragsmanagement 23 neue Mitglieder in die ursprüngliche Gründergruppe von 15 aufgenommen hatte. Die Gruppe ist jetzt bereit, Versicherungsmakler in das Konsortium einzuladen. Die neuesten Nachrichten seien die Gründung der B3i Service AG, eines in Zürich gegründeten Startups, das nun eine Finanzierungsrunde einleitet. Volk bestätigte auch, dass das Konsortium bis Ende des Jahres etwas in Produktion haben will.
Es gab jedoch auch andere Updates. Die Allianz arbeitet zudem an ersten Entwürfen zur Sicherung von elektronisch ausgestellten Arzneirezepten mittels einer Blockchain, ganz zu schweigen von der Arbeit an einem internen Token für den Geldtransfer zwischen Zweigunternehmen auf der ganzen Welt, wie CoinDesk bereits am Donnerstag bekannt gab.
Martin Baier wiederum, Programmmanager für Geschäftsinnovation und -entwicklung (einschließlich Blockchain) beim Versicherer Zürich, war der Meinung, dass andere Anwendungsfälle möglicherweise schneller auf den Markt kommen. Die ersten wirklichen Fälle für Versicherungen würden Effizienzgewinne bei der Schadensbearbeitung und -steigerung zur Bekämpfung von Versicherungsbetrug betreffen. So umrahmte er die verbliebenen Hindernisse als bloße Feinschliffe für bevorstehende Starts:
„Im Schadensprozess sind viele Beteiligte involviert, also ist es ein guter Bereich für Blockchain; wir müssen nur unsere Datenstandards aussortieren“, so Baier.

Trotz allem gab es auch für Banker Lichtblicke. Herve Francois, Blockchain Initiative Lead & Intrapreneeur der ING Group, wies darauf hin, dass das Unternehmen erfolgreich liquide Mittel im Wert von 25 Millionen Euro durch den Einsatz von Sicherheiten für das Fintech-Startup HQLAx auf der verteilten Corda-Plattform von R3 vertauscht hat. „Wir haben diese Live-Transaktion letzten Monat durchgeführt. Wir werden Ende des Jahres in Produktion sein. Es war ein langer Weg mit den Regulierungsbehörden und wir haben jetzt auch ein größeres Netzwerk in Asien“, so Francois.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Versicherungen keine Hürden vor sich haben, die es zu meistern gilt. Matt Peterman, CEO und Mitbegründer von InsurPal, stimmte darin überein, dass die Betrugserkennung ein Bereich ist, der reif für eine Standardisierung ist. Die Industrie ergreife bereits jetzt schon invasive Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung.

Volk schloss mit dem Hinweis auf einige Unterschiede zwischen Versicherungsfällen und ähnlichen Ereignissen im Bankwesen, was andeutete, dass Blockchains eher für die Versicherungsindustrie geeignet sind:
„Wenn Sie über Blockchain und Skalierung sprechen, ist es für die Versicherungsbranche ein wenig einfacher als für Finanzdienstleistungen“, so der Experte. „Bei den Transaktionen pro Sekunde haben wir nicht so viele, das ist für uns keine wirkliche Einschränkung.“
Auf diese Weise versuchte er, die Situation lediglich als einen von zwei verschiedenen Sektoren zu erklären, die ihren eigenen Weg zu vielleicht unvermeidlichen Effizienzen aufzeigen sollten. So schloss Oliver Volk mit dem Satz: „We are simply starting with the easiest contracts and working forward.“ – „Wir starten mit den einfachsten Verträgen und entwickeln uns kontinuierlich weiter.“