Ethereum: Werden Casper und Sharding vereint?

Ethereum: Werden Casper und Sharding vereint?


Das Ethereum-Team um Vitalik Buterin erwägt momentan, die Roadmap für Casper und Sharding komplett umzustoßen und die beiden Techniken miteinander zu verschmelzen. Das berichtet coindesk.com. Konkret würde dabei Casper in eine Shard, einen Teilbereich des Netzwerks also, ausgelagert werden, anstatt wie bislang geplant direkt auf der Ethereum-Mainchain als Smart Contract realisiert zu werden.

Casper ist der aktuell diskutierte Ansatz, die Ethereum-Blockchain zumindest teilweise von Proof-of-Work auf Proof-of-Stake umzustellen, um das System energieeffizienter zu machen. Sharding dagegen beschäftigt sich mit den Skalierungsproblemen des Netzwerks, die spätestens im Dezember 2017 deutlich wurden, als die CryptoKitties-Welle das Ethereum-Netzwerk flutete und teilweise langanhaltende Staus bei der Transaktions-Verarbeitung verursachte. Der Sharding-Ansatz ähnelt dabei ein wenig den momentan im Bitcoin-Netz eingeführten Lightning-Sidechains und teilt das Ethereum-Netzwerk letztlich in mehrere kryptographisch miteinander verbundene Teilnetze auf.

Der nun von den Ethereum-Entwicklern diskutierte Ansatz sieht vor, Casper nur in solchen Teilnetzen zuzulassen und die Ethereum-Mainchain weiterhin per Proof-of-Work verifizieren zu lassen. In der Tat hätte dieses Vorgehen den Vorteil, dass die Einführung von Proof-of-Stake-Mechanismen damit wesentlich „sauberer“ von statten gehen könnte, da das bisherige Ethereum-Netz von den Veränderungen nur wenig berührt würde. Die Entwicklung und das Testen von Casper könnte damit wesentlich einfacher und sicherer werden. Die Teilnahme am Proof-of-Stake würde damit, sagt Buterin, auch bereits mit einer wesentlich geringeren Einlage möglich werden, als bisher geplant. Der dezentrale, verteilte Aspekt von Ethereum würde damit stärker betont, einer Zentralisierung der Mining-Power ein wenig Einhalt geboten werden.

Coindesk zitiert Buterin in Bezug auf die vorgeschlagenen Änderungen: „Dieser Entwurf könnte im Grunde bis hin zum theoretischen Maximum skalieren.“ Die Idee, die beiden Technologien so ineinander zu verzahnen, hat in der Tat einen gewissen Charme. Langfristig könnte damit der rechen- und energieintensive Proof-of-Work auf die Verifizierung der Meta-Informationen beschränkt werden, mit denen der Inhalt der einzelnen Teilnetze im Gleichklang gehalten und untereinander bestätigt wird. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Vorläufig könnten die vorgeschlagenen Änderungen auch einfach zur Verzögerung der Einführung der beiden Schlüsseltechnologien des Ethereum-Netzes führen. Damit ginge wertvolle Zeit verloren, in der andere Smart-Contract-Systeme, wie etwa das kürzlich vom Stapel gelaufene EOS, mit konkurrierenden Ansätzen und Ideen Ethereum den Rang ablaufen könnten.